In Anlehnung an eine lange Tradition von Schweizer Romande-Musikverlagen, die seit dem späten 19. Jahrhundert aktiv sind, möchten die Éditions musicales Henry Labatiaz zum Erhalt des musikalischen Erbes dieser Region beitragen und gleichzeitig eine proaktive Haltung bei der Förderung der Werke zeitgenössischer Schweizer Romande-Komponisten einnehmen. Die von den Éditions musicales Henry Labatiaz übernommene Geschichte ist besonders reichhaltig, und genau diese Geschichte möchten sie betonen.
Unser Repertoire, das aus der Gründung verschiedener Verlage hervorgegangen ist, zeugt von dem einzigartigen Charakter der Romande-Künstleraktivität, die sich seit Anfang des 19. Jahrhunderts kontinuierlich entwickelt hat und eine Identität geschaffen hat, die alles andere als trivial ist. Die geografische Lage der Schweiz zwischen Deutschland, Frankreich und Italien hat dazu geführt, dass sich das Land ständig auf die umgebenden kulturellen Einflüsse bezogen hat, einschließlich einer tief in ihrer Kultur verwurzelten Übersetzungstradition. Das Beispiel der Romande-Chormusik ist ein hervorragendes Beispiel für dieses Phänomen: Vor 1800 wurde in Romandie kaum oder gar nicht im Chor gesungen, während die musikalischen Volksbräuche in Frankreich und Deutschland ganz unterschiedlich waren. Frankreich schätzte monodisches Singen, begleitet von Instrumenten, jedoch nicht von anderen Stimmen, während Deutschland vom lutherischen musikalischen Erbe (1517) beeinflusst wurde, das vierstimmige Psalmen einführte, um den Gemeindegesang zu fördern. Diese populäre Chorkultur aus Deutschland breitete sich allmählich auf die Schweizerdeutsche Region aus und später auf Romandie. Mit der Ankunft des deutschen Pastors Jean Bernard Kaupert (1786-1863) in Morges im Jahr 1811 gewann das Chorsingen in der Region stark an Popularität. Überrascht von der Tatsache, dass die Menschen sehr wenig und nur im Unisono sangen, führte Kaupert sie in die germanische Tradition ein. Die Begeisterung war überwältigend, und die Romande-Chorkultur etablierte sich. Das Repertoire dieser Zeit bestand hauptsächlich aus übersetzten deutschen Psalmen. Im Laufe der Zeit begannen regionale Komponisten, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geboren wurden, neue Lieder zu komponieren, die immer noch der deutschen vierstimmigen Struktur folgten, jedoch einen eigenen Stil hatten: einen Romande-Stil.
Seitdem haben viele Komponisten dazu beigetragen, dieses Repertoire und diesen Stil durch ihre Musik zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Dieses musikalische Erbe, seine Geschichte und sein großer Wert sind es, die Éditions musicales Henry Labatiaz wiederbeleben, bewahren und fortsetzen möchten. Unser Wunsch: dass die Romande-Musik wieder einen Ehrenplatz im musikalischen Programm einnimmt!
Siehe auch:
- Jacques Burdet, La musique dans le canton de Vaud au XIXe siècle, Lausanne, Payot, 1971
- Paul Budry, La Suisse qui chante. Histoire illustrée de la chanson populaire du chant choral et du festspiel en Suisse, Lausanne, Freudweiler-Spiro, 1932